Gestern habe ich einmal darauf geachtet, was in Sachen Manipulation so um mich herum stattfindet. Und was soll ich euch sagen? Wenn ich es nicht besser wüsste, müsste ich annehmen, um mich herum wären lauter NLP-ler.
Da war z.B. die, so ganz nebenbei fallen gelassene, Bemerkung meiner Freundin: "Der Müll müsste auch noch raus.". Oder die Frage meiner Tochter: "Papa, fährst du mich jetzt zu meiner Freundin, oder nach dem Essen?"(Ich hatte nie zugesagt, sie zu fahren).
Milton Erickson lässt grüßen.
Dann war da noch die Aussage: "Wenn du es gleich machst, hast du es hinter dir". Als ob auf meiner Stirn geschrieben stände: Metaprogramm - weg von orientiert.
Ach ja, dann ist da noch der Augenaufschlag meiner Tochter, wenn sie etwas von mir haben will. Sie weiß genau, dass ich diesem nicht widerstehen kann. Lieber Blick = Papa wird weich. Sie hat es diesbezüglich zur Meisterschaft gebracht. Manchmal feuert sie diesen Anker sogar per SMS ab. Das sieht dann etwa so aus. "Hallo Papa. Du Papa, kannst du mich von der Schule abholen? Ich will nicht zu Fuß gehen. Lieb schau. HDUL (Hab dich ur lieb)". Und ich schwöre euch, das funktioniert immer.
Ein weiteres Beispiel für sogenannte hypnotische Sprachmuster von Milton Erickson ist folgendes:
Beim Einkauf, an der Wurst-Theke, wird man nicht, so wie früher, gefragt: "Darf es noch etwas sein?". Nein, heutzutage lautet die Frage: "Was darf es noch sein?" oder die Kurzform davon: "Was noch?". Die Art der Fragestellung setzt voraus, dass man noch etwas will und der eine oder andere bestellt mehr als er eigentlich vor hatte.
Die besten Beispiele für Manipulation aber liefert uns die Werbung.
Eine Rasierapparat-Marke verspricht ein "supersanftes Hautgefühl".
Jade sagt: "Ich fühl mich schön, mit Jade". Loreal: "Sie sind es sich wert". "Haribo macht Kinder froh...", eine Kredit-Bank lässt uns "das Leben genießen" und der Fernsehsender RTL gibt uns das Gefühl, Mitbesitzer zu sein, indem er sagt: "Mein RTL"
Das Produkt ist dabei völlig nebensächlich. Werbung zielt genau ins Zentrum, auf unsere Gefühle. Jeder NLP-ler weiß, dass Bedürfnisse auf der Gefühlsebene geweckt werden. Wichtig ist nicht, was man braucht, sondern, was uns ein gutes Gefühl bereitet.
Wohin man schaut, NLP. Oder?
"Das sind doch ganz alltägliche Geschichten" höre ich euch sagen. Ja, stimmt.
NLP hat genau diese alltäglichen Geschichten, unsere Alltags-Kommunikation nämlich, unter die Lupe genommen, katalogisiert, kategorisiert und zu einem Kommunikations-Modell geschnürt. NLP macht all das sichtbar, hörbar und spürbar, was für die meisten nicht sichtbar, hörbar und spürbar ist, und macht es somit für jederman nutzbar.
Und manch einer nutzt es eben zur Manipulation.
PS: Am Abend hatte ich noch das Vergnügen, mit einem Sprachmuster von Milton Erickson zu punkten.
Ein Kellner, der sich offenbar vorgenommen hatte, seine Gäste, und somit auch mich, mit Unfreundlichkeit zu strafen, bekam von mir folgendes zu hören: "Ich kann gut verstehen, dass es nervt, den ganzen Tag freundlich zu sein, aber vielleicht haben sie ja nur noch nicht daran gedacht, dass man mit Freundlichkeit unter Umständen mehr Trinkgeld bekommt."
Ab diesem Zeitpunkt wurden wir freundlich und bevorzugt bedient.
Natürlich hätte ich auch unfreundlich reagieren können, schließlich bin ich der Gast und habe ein Recht auf freundliche Bedienung. Doch wie lautet der Spruch? Warum kompliziert, wenn es auch einfach geht.
Und, dank NLP, kann es ja so einfach sein.

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